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Showing posts from April, 2015

Kratzt Andreas Lubitz am Selbstbild der Deutschen?

In einer anderen Post habe ich mich gewundert, dass die Berichterstattung über Andreas Lubitz schon zu Ende ist – und dass die Deutschen sich nie wirklich mit dem Massenmord ehrlich befasst haben. Es gab Gegenstimmen. Hier ist meine Antwort:
Ich hab nachgedacht und ich glaube: Wie ihr mit dem Andreas Lubitz Massenmord umgeht sagt tatsächlich etwas Problematisches über die deutsche Gesellschaft von heute aus.
Die Empörung über die Medien und die Furcht um das Wohl von Deprimierten waren vorgeschobene Gründe. Niemand hat sich aufgeregt, als die Namen Beate Tschaepe, Andre Brevik, Osama bin Laden, Michael Slager oder James Eagan Holmes bekannt gegeben waren. Warum auch? Die künstliche Aufregung im Falle Lubitz war ein verzweifelter Versuch, abzulenken.
Auch die Sorge um die Stigmatisierung von Deprimierten war vorgeschoben: Zu keiner Zeit gab es die Gefahr, dass Deprimierte stigmatisiert werden könnten. Niemand hat zu einer Hetzkampagne gegen sie aufgerufen, auch Artikel über Deprimierte…

Ich bin stolz auf die Deutschen

Ich sage da nicht oft, aber es stimmt. Nur eine Woche, nachdem die taz eine beeindruckende Traueranzeige für die ertrunkenen Flüchtlinge titelte, ist das Thema im aller Munde. Darauf habe ich Jahre gewartet und ich habe es nicht mehr erwartet – jetzt glaube ich, das Thema ist endlich heiß genug, dass die Deutschen etwas dafür tun könnten.
Vor allem zeigt es mir, dass die Deutschen immer mehr in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Es gibt immer noch viel Verlogenes an der Geschichte. Das Flüchtlingsproblem ist nicht neu und wurde Jahre nach verdrängt. Auch heute hat die Aufregung eine unangenehme politische Komponente – Sich um Ausländer bzw. Asylbewerber zu kümmern, mit ihnen zu leiden, ist ein Vorzeigethema der Linken, mit dem sie Politik machen. Auch die Anzeige in der taz war nicht rein aus menschlichem Mitleid, sondern auch, um den „Rechten“ eins reinzuwürgen. Manchmal glaube ich, die Deutschen sind nicht in der Lage, eine Meinung zu äußern…