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Showing posts from March, 2015

Kommt Sensationsjournalismus aus Amerika? Sind Amerikaner zur Selbstkritik unfähig?

Wie das so ist, wenn ein Ami (das bin ich) die deutsche Medienwelt kommentiert, bekommt er diese beiden Vorwürfe zu hören: Deutschlands Medien sind nur so schlimm, weil Amerika macht sie so, und die Amis wissen nichts über die Sünden ihrer Vergangenheit (Sklaverei/Indianer), weil ihre Medien eben so schlimm sind. Diese Vorwurf kam auch in meinem FB-Post "Ist Andreas Lubitz schuld oder die Bild Zeitung?" vor. 
Hier meine Antwort: Es ist schon richtig, dass Amerika ein Problem mit unseriöser Berichterstattung hat. Es kann auch sein, dass insgesamt weniger Amerikaner an Nachrichten interessiert sind als Deutsche (?). Das alte Klischee, Sensationsjournalismus komme aus Amerika nach Deutschland, stimmt aber nicht. Ich bezweifele auch ernsthaft, dass es jemals eine Zeit in Deutschland gab, in der es kein Sensationsjournalismus gab. Hier ein paar Eckdaten: - Die Bild Zeitung wurde 1959 gegründet auf dem Vorbild einer britischen, nicht einer amerikanischen Boulevardzeitschrift (die D…

Ist Andreas Lubitz schuld, oder die Bild Zeitung?

Manchmal ist das Leben in Deutschland für mich wie ein Leben im Twilight Zone.
Zu den skurrilsten und bizarrsten Dingen, die ich jemals hier erlebt habe, gehört die gegenwärtige mit Leidenschaft und einen gehörigen Portion Wichtigtuerei ausgetragen Diskussion um den Umgang mit dem Namen von „Andreas L.“, international als „Andreas Lubitz“ bekannt, Massenmörder.
Es ist ja gerade etwas Unfassbares passiert, hier in malerischen, verschlafenen Deutschland, auf dem gleichen Rang wie die großen, unvorstellbare Massenmorde von Osama bin Laden und Andre Breivik. Aber anstatt sich damit zu befassen, diskutieren die Deutschen (zumindest sehr viele von ihnen) lieber über die völlig theoretische, praktisch irrelevante Frage, ob man den Namen, den längst bekannt ist, veröffentlichen darf.
Es geht um ... um was? Schutz der Privatsphäre? (Naja, keiner diskutiert, ob die Namen der Opfer veröffentlicht werden dürfen... aber vielleicht ist ja für viele Deutsche der wahren Opfer Andreas Lubitz). Oder um…

Ein guter Artikel über die TPP - endlich!

Endlich, einguter Artikel über die TPP (nicht über die TIPP – sie sind aber ähnlich undähnlich umstritten) von einer echten Zeitung:
Viele Amis haben die gleichen Ängste wie die Europäer über die TIPP, aber umgekehrt: Europäer befürchten, dass große amerikanischen Firmen kleine hilflose europäischen Staaten vor Gericht ziehen wird und in deren nationalen Gesetzgebung eingreifen werden. Amerikaner befürchten, dass große europäische und asiatische Firmen in amerikanische Gesetzgebung eingreifen werden. Was keiner weiß, ist: Das ist schon lange der Fall, und alle kommen zu recht, weil 1) ein Staat hat auch gute Anwälte und 2) jeder das gleiche Recht.
Hier einige interessante Punkte über den anti-protektionistischen Freihandelsabkommen TPP, über die alle sich Sorgen machen:
- Es ist keine Neuigkeit, wenn eine Firma einen Staat anklagen darf – solche Abkommen gibt es 3000mal auf der Welt und Amerika ist an 51 von ihnen beteiligt: “Investor-State Dispute Settlement” accords exist already in m…

Warum mein Standpunkt in manchen Fragen unklar ist (und ich kann dennoch nicht den Mund halten)

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Auf Facebook habe ich die Deutschen dafür zurecht gewiesen, dass 6000 Ukrainer im Krieg gestorben sind und Deutschland tut nichts dagegen.

Allerdings habe ich nicht gesagt, was meiner Meinung nach die Lösung wäre. Daraufhin hat Achim Rheiner zurecht mich zurecht gewiesen, weil ich öfters mal im Konkreten meinen Standpunkt nicht klar mache.

Dieses Problem ist hier im Hansen/Ule-Haushalt bekannt.

Hier meine Antwort:

Lieber Achim, du hast den Finger auf die Wunde gelegt. Auch Astrid sagt immer wieder: Deine Leser wissen nicht genau, wo du stehst. Das ist ein Manko von mir, mit dem ich immer wieder zu kämpfen habe.
Mein konservativer, sehr intelligenter Vater sagte, es ist der Fluch des Intellektuellen, beide Seiten einer Frage zu sehen. Ein Fluch, weil, wer wirklich beide Standpunkte erfasst, kann keinen eigenen Standpunkt einnehmen, er wird unentschieden überlässt letztendlich das Handeln der anderen. Er meinte das durchaus als Warnung an mich (auch wenn ich es nie zum “Intellektuellen” s…