5. Eine Beobachtung zum Antiamerikanismus

Letztens fand ein Facebook-Freund den Bewies dafür, dass Amerikaner rettungslos verdummt sind: Eine US-wissenschaftliche Einrichtung hätte festgestellt, dass die Sonne bald eingehe, weil Solarzellen ihr die Energie aussaugen.

Hätte das fiktive Institut in Deutschland gesessen, hätte mein FB-Freund die Website genauer angeschaut und festgestellt, dass es sich um eine Satireseite handelt. Aber weil es Amerika war, glaubte er dem Artikel nur allzu gern, ohne darüber nachzudenken.

Die Deutschen sind ein hoch intelligentes Volk, aber sobald es um Amerika geht, schaltet sich das Gehirn aus. So glauben viele, Amerika breche bald zusammen, weil die Schulden so hoch sind (Japan hat höhere Schulden); Kreationismus werde in den Schulen gelehrt (verfassungsrechtlich verboten), die meisten Amerikaner guckten Fox News (mehr Deutsche lesen „Bild“ als Amerikaner Fox News schauen), und mehr.

Für sich genommen hat Antiamerikanismus sein Gutes: Es ist eine Art der Deutschen, nach der langen Besatzung sich moralisch von der ehemaligen Besatzungsmacht zu befreien. Doch wenn ein Volk ein Feindbild braucht, um das eigene Selbstbild aufzupäppeln, lauern auch Gefahren: Man fällt auf Satire rein ... aber auch auf Verschwörungstheorien und irgendwann auf Demagogen.

Also eine freundliche Warnung an alle fröhlichen Antiamerikaner und die, die es werden wollen: Antiamerikanismus macht dumm.

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