Posts

Showing posts from 2012
Mele Kalikimaka everyone!

Ist Weihnachten eine deutsche Erfindung?

Weihnachten ist die schlimmste Zeit des Jahres. Nur Stress, Fressen, auf Knopfdruck geheuchelte Menschenfreundlichkeit und vor allem kaufen, kaufen, kaufen.

In meiner Heimat Amerika ist Weihnachten der Gipfel des Kommerz und der Geschmacklosigkeit. Kinder beichten Weihnachtsmännern lange Wunschlisten direkt im Kaufhaus, Lebkuchen in den Läden seit September, Häuser, die in einem kitschigen Lichtermeer funkeln, das die Energie von mehreren Kernkraftwerken braucht. Und dann dieser überkandidelte Santa Claus, eine einzige Coca-Cola-Werbefigur!

Und wer ist daran schuld? Die Deutschen natürlich!


Mehr auf Zeit Online...

Wenn ich an Mursi denke, denke ich an Hitler

Immer wenn ich an den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi denke, denke ich an die NPD. Nicht einfach so: Natürlich sind Adolf Hitler und George Washington dazwischen.

Das ist ein komplizierter Gedankengang, aber ich kann ihn erklären.

Niemand weiß genau, was Mursi vorhat, aber viele fürchten, dass er gerade sein Präsidentenamt zu einer Diktatur ausbaut und vorhat, eine islamische Theokratie einzuführen.

Stimmt das, dann haben die Ägypter gerade jemanden demokratisch gewählt, der als erstes die Demokratie abschafft. Das ist ein bisschen, wie wenn man zum Chef befördert wird und als erstes einen Beförderungsstopp anordnet. Als zweites steht dann ein Panzer vor der Cheftoilette.

Mehr auf Zeit Online...

Liebt Gott Amerika doch?

An uns Amerikanern ärgert den gemeinen Deutschen nichts mehr als unsere ausufernde Arroganz. Und es stimmt, wir sind eingebildet. Vielleicht nicht so sehr wie die Chinesen, Franzosen oder Berliner, aber wir sind es. So arrogant, dass wir glauben, Gott selbst sei "auf unserer Seite".

Dabei ist Amerika nicht das einzige Land, das sich als Gottes Liebling sieht. All die adeligen Regenten der europäischen Feudalstaaten wähnten sich als von Gott erwählt. Großbritannien singt noch heute "God save the Queen". Und Neuseeland zum Beispiel nennt sich seit 100 Jahren "God's own country". Die Juden sehen sich selbst seit biblischen Zeiten als das auserwählte Volk und haben ein Teil dieses Selbstbildes zum Missvergnügen ihrer Nachbarn in den Staat Israel hinübergerettet. ...


Mehr auf Zeit Online...

Warum Occupy und die Tea Party einander mögen sollten

Hiermit nehme ich alles zurück, was ich je im Leben über die Occupy-Bewegung gesagt habe.

Und das war nicht wenig: Pubertär und halbgar habe ich sie genannt, ineffektiv, politisch wie wirtschaftlich naiv, im Vergleich zur Tea Party leider irrelevant, und vieles mehr.

All das bereue ich jetzt, denn seit einigen Wochen hat eine Handvoll Occupy-Anhänger ein Projekt ins Leben gerufen, das ich ernst nehmen kann. Lustigerweise ist es eine Idee, die sogar die Tea Party ernst nehmen kann. Ach was, es ist eine Idee, auf die die Tea Party neidisch sein sollte. ...


Mehr auf Zeit Online...

Was ist besser? Die amerikanische oder die deutsche Obdachlosigkeit?

Warum gibt es so viel Armut und Obdachlosigkeit in Amerika und so wenig in Deutschland? Diese Frage musste ich mir vergangene Woche stellen, als ich auf meiner Facebook-Seite einen Mini-Shitstorm erleben durfte.

Aus Versehen und, das möchte ich hier ausdrücklich versichern, ohne jede Absicht hatte ich wohl einige Leser beleidigt, indem ich implizierte, dass es auch in Deutschland Obdachlosigkeit gäbe. Das kam so: Einem Berliner Video-Künstler namens Victor Kossakovsky war nicht verborgen geblieben, dass Obdachlose in den warmen, beleuchteten Räumen von Banken schlafen, in denen die Geldautomaten stehen.

Er machte ein Video daraus, legte Volksmusik aus Russland darunter, und die New York Times stellte es ins Netz, wo ich es sah und den Link auf meine Facebook-Seite stellte. (Mir war das In-Banken-Schlafen-Phänomen auch schon seit einigen Jahren aufgefallen, bloß kam ich Blödmann nicht auf die Idee, Kunst daraus zu machen.)


Mehr auf Zeit Online....

Warum Amerika das fortschrittlichste Land der Welt ist...

Meine Lieblingsparabel aus dem Kanon meiner ehemaligen Kirche, der Mormonen, ist die Geschichte vom Frosch. Kommt man aus irgendeinem Grund auf die glorreiche Idee, einen solchen zubereiten zu wollen, gibt es zwei Möglichkeiten.

Man kann ihn einfach in einen Topf mit kochendem Wasser werfen. Allerdings ist diese Methode nicht empfehlenswert – weil der Frosch merkt, dass es heiß ist, und sofort flüchtet. Setzt man ihn aber in einen Topf mit kaltem Wasser, den man nur langsam erhitzt, springt der Frosch nicht heraus. Weil er nicht merkt, dass das Wasser immer heißer wird. Bald hat man einen leckeren gekochten Frosch.

Die Geschichte zielt natürlich auf die Sünde ab: Fängt man mit einem kleinen Fehltritt an, merkt man gar nicht, dass man bereits auf dem Weg zur Hölle ist. Und hastdunichtgesehen hat der Teufel einen am Schlafittchen.

Ein gutes Beispiel ist Marihuana...


Mehr auf Zeit Online...

Wars das mit den Republikanern?

Die Absage an Mitt Romney und Paul Ryan war auch eine Absage an den gesamten radikalen Flügel der Republikaner. Ab jetzt wird die Partei ihre Einstellungen zu Rassismus, Frauen- und Ausländerfeindlichkeit und Gottesgläubigkeit grundsätzlich überdenken müssen. Die Republikaner brauchen eine neue Richtung.

Die große Frage, die sich die Partei nach dieser Niederlage stellt, ist: Haben wir verloren, weil Mitt Romney zu radikal war? Oder weil er nicht radikal genug war? Rein prozentual gerechnet bekamen die Republikaner fast die Hälfte aller Stimmen. Ihre Politik wurde also nicht grundsätzlich abgelehnt, nur von einer Handvoll Wählern. War man aus Sicht dieser Wähler zu weit gegangen, oder nicht weit genug?


Mehr auf Zeit Online...

Mehr Spaltung braucht das Land!

Noch nie hat ein Präsidentschaftskandidat so viel Dreck über seinen Rivalen ausgekippt wie in diesem Wahlkampf. Noch nie ging es so unter die Gürtellinie, noch nie wurde so viel Geld ausgegeben für Werbung voller wilder Übertreibungen, skandalöser Behauptungen und blanker Beleidigungen, noch nie wurde der demokratische Prozess so dreist und primitiv missbraucht wie im Wahlkampf Obama gegen Romney.

Ach Moment mal, was sage ich da? Noch nie war es so schlimm? Verzeihung, ich meinte natürlich, noch wie war es anders in Amerika.

Mein Kommentar auf SWR Kultur von heute morgen als Text und PODCAST (!)...

Warum ich Romney liebe... und Obama auch...

Damals war die Welt noch in Ordnung: Der Mittelstand war stark, Frauen konnten noch kochen, Männer Geld verdienen. Familien waren noch intakt, in der Garage stand ein Auto für ihn und eins für sie. Sonntags ging man in die Kirche, gut und böse, schwarz und weiß waren noch sauber getrennt.

Ich rede natürlich von den Fünfzigern. Das nennen wir Amerikaner die Eisenhower-Ära, nach dem deutschstämmigen Präsidenten, der zur Zeit des amerikanischen Wirtschaftswunders amtierte. Das ist die Zeit, für die Mitt Romney steht wie kein anderer.

Er frisiert sich wie eine Figur aus der Fernsehserie Mad Men, seine Frau kann mit Sicherheit kochen, er hat mindestens zwei Wagen in der Garage stehen. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, dass er regelmäßig in die Kirche geht. Und sein Kinn! Haben Sie sein Kinn gesehen? Das nennen wir ein presidential chin. Wäre das echte Leben ein Comic, wäre Romney jetzt schon Präsident. ...

Mehr auf Zeit Online...

Warum Amerika keine Loser im Weissen Haus wollen

Als ich vor ein paar Wochen zufällig meinen Wahlzettel als PDF-Datei im Spam-Ordner meines E-Mail-Programms fand und öffnete, stutzte ich. Wer zum Teufel sind Gary Johnson und Jill Stein. Und was haben sie auf meinem Stimmzettel zur Präsidentenwahl zu suchen?

Ich wollte ihn gerade wieder in den Spam-Ordner schieben, als ich bemerkte, dass auch die Namen Barack Obama und Mitt Romney darauf standen. Das machte die Sache etwas komplizierter. Ich hatte damit gerechnet, nur zwei Optionen zu haben, nun hatte ich vier.

Mehr auf Zeit Online...

Sind die Demokraten die wahren Bösen und die Republikaner die wahren Guten?

Es gibt einen Grund dafür, dass ich mir die Republikaner lobe und die Demokraten kritisiere. Obwohl ich die Demokraten wähle. Dieses Paradox hat etwas damit zu tun, dass die Republikaner in der Öffentlichkeit missverstanden werden – und die Demokraten auch.

Die beiden Partien waren nicht immer so, wie sie heute sind. Im 19. Jahrhundert waren die Demokraten die Partei des Ku Klux Klan und die Republikaner diejenigen, die sich erfolgreich gegen die Sklaverei gestellt hatten (die Partei wurde von Abraham Lincoln mitbegründet).

Ich weiß auch nicht, wie sie es gedreht haben, aber heute sind die Demokraten die "Guten" und die Republikaner die "Bösen". Zumindest behaupten sie das. In Wahrheit hat diese moralische Unterscheidung mehr mit Wahlkampf zu tun als mit Politik selbst.


Mehr auf Zeit Online...

Europa ist eine amerikanische Idee

Das Beobachten der Deutschen ist nicht nur ein lustiger Sport, es kann auch manchmal ganz schön spannend sein.

Zum Beispiel als verkündet wurde, dass der diesjährige Friedensnobelpreis an die Europäische Union geht. Das war eine Überraschung, meine deutsche Lebensgefährtin Astrid und ich schauten uns verdutzt an. "Drei Stunden," sagte ich. "Zwei", hielt sie dagegen.

"So schnell schaffen es die Deutschen nicht", meinte ich. "Sie müssen sich erst mal etwas einfallen lassen. Und die Worte dafür finden. Außerdem ist gleich Mittagspause. Sie brauchen mindestens drei Stunden."

"Ich glaube an die Deutschen", sagte sie. "Sie sind fleißiger und fantasievoller, als du denkst. Ärgern tun sie sich eigentlich immer, und aufschreiben können sie das auch. Ich sage: unter drei Stunden." ...

Mehr auf Zeit Online...

Barbara Tuchmann, my goddess of nonfiction

Image
I habe den Film über den Cuban Missile Crisis "13 Days" geliebt, ich liebe ihn noch, aber nun bin ich überrascht zu erfahren, dass Kennedy und Kruschev viel vorsichtiger waren, als dort dargestellt. Es waren alle beide kluge und vorsichtige Menschen, die nicht das Risiko eines Atomkrieges eingehen wollten. Alle Achtung!

Aber des beste steht in den letzten Absätzen: Kennedy wurde zum Teil von ein Buch beeinflusst, und zwar von einer meiner Lieblingsautorinnen fur Sachbücher, Barbara Tuchmann. Ich verehre sie so sehr, wenn ich sie lese, dass ich eine fast sexuelle Anziehungskraft verspüre.

Deshalb schriebt man Nonfiction: Um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Good job, Ms. Tuchmann!

New York Times Artikel hier (Enlgisch)


Congrats EU!

Warum Amerikaner keine Linken sind

In meiner Nachbarschaft in Berlin gibt es einen ganz besonderen Ort.

Immer, wenn ich daran vorbeigehe, werde ich von dem Gefühl überwältigt, plötzlich in das Berlin der 1920er Jahre geraten zu sein. Jeden Moment könnte Rosa Luxemburg und hinter ihr tausend aufgebrachte Arbeiter um die Ecke biegen, und kurz bin ich voll wohliger Bewunderung.

Dabei ist dieser Ort alles andere als alt.

Es handelt sich um ein renoviertes Erdgeschoss, modern und schick mit viel Glas und Stahl und exotischen Pflanzen vor der Tür, ein Vorzeigegebäude des Kapitalismus und der Gentrifizierung. Es ist kein Web-2.0-Start-Up, sondern das Wahlkampfbüro der Linken, und im Fenster hängen Wahlkampfposter mit Parolen wie: "Wir kämpfen für Sie!" und "Der Kampf geht weiter!"


Mehr auf Zeit Online...

Warum wir Amis keine kritischen Denker sind!

Während die Deutschen in unseren Fernsehduellen oft nur eine Art Show sehen, haben die debates für uns Amis etwas Pubertäres an sich.

Das kommt daher, dass wir das Debattieren mit der Schulzeit verbinden: Jede High School und jedes College in Amerika hat neben der Footballmannschaft, dem Science Club und dem Schachteam auch einen Debattierklub, wo lauter brave kleine Streber lernen, fix und eloquent vor einem Publikum eine Stegreif-Rede zu halten und eine ihnen in letzter Sekunde auferlegte Position auf Teufel komm raus gegen einen anderen Streber zu verteidigen.


Mehr auf Zeit Online...

Warum Amerika einen mormonischen Präsident braucht!

Als Präsident ist Barack Obama eher guter Durchschnitt (und das meine ich als Kompliment) – bis auf einen Punkt: Er ist schwarz. Das ist auch seine eigentliche Leistung: 150 Jahre nach dem verheerendsten Krieg unserer Geschichte, der die Sklaverei endlich beendete, brauchte Amerika nun wirklich mal einen schwarzen Präsidenten. Na gut, er ist auch ungemein sexy, aber die Geschichtsbücher werden eher von seiner Hautfarbe schwärmen.

Auch Mitt Romney wäre als Präsident eher Durchschnitt – bis auf eines: Er ist Mormone. Und irgendwann braucht Amerika auch einen mormonischen Präsidenten, denn keine Kirche ist so amerikanisch wie diese.

Mehr auf Zeit Online...

Book Party in Berlin!

Image
Wir feiern!

Das neue Buch "Planet America" steht im Laden und gemeinsam mit unserem guten Freund und Reisejournalisten Paul Stänner wollen wir zum ersten Mal eine 2-Book Party feiern!

Sie, der Sie dieses gerade liest, sind herzlichst eingeladen!

Wo: Berlin, Cafe Naumann Drei (Schöneberg, Naumannstr. 3, unweit von S-Bahn Julius-Leber-Bruücke)

Wann: Freitag, den 28. September, um 19:00 Uhr

Was gibt's denn do?

- Wir lesen aus unseren neuen Büchern "Planet America" und "Dinner for One"

- Wir verschenken Bücher an die klugen Gewinner unseres klugen Quizes

- Wir trinken Bier

- Wir essen tolle Spezialitäten aus America (was sie genau sind, daran arbeiten wir gerade, es wird aber genug für alle geben)

- Wir lernen uns kennen

Eintritt ist wie immer frei

Allerdings bitten wir um Voranmeldung, denn es gibt nur 50 Plätze!

Naumann Drei: 030 / 9151 2100


Auf Facebook: http://www.facebook.com/NaumannDrei

Wir freuen uns sehr auf Eure Kommen!


Warum wir Amis an Hetz, Hass und Huren glauben!

Ich erinnere mich gern an das erste Mal, als ich eine Botschaft in Brand stecken wollte. Ich war damals noch jung, außerdem Mitglied der Mormonenkirche und glaubte auch fest daran. Allerdings glaubte ich auch an die Literatur, besonders an das größte amerikanische Literaturgenie aller Zeiten: Mark Twain. Bis ich seinen Reiseroman Durch Dick und Dünn entdeckte.

Darin zerpflückt er auf respektloseste Art das Buch Mormon. In Worten, die er sich niemals auf die Bibel anzuwenden trauen würde, zieht er die heiligste Schrift der Mormonen durch den Dreck, und dann tut er es gleich noch mal: "gedrucktes Chloroform" sei es; ein Wunder, dass der Autor es überhaupt zu Ende habe schreiben können, ohne einzuschlafen; reine Fantasie, ein Plagiat, "grotesk". Das Schlimmste: Die Kritik war auch noch witzig. Das saß!

Bis dahin hatte ich jedes Wort angebetet, das Mark Twain von sich gab. Jetzt verstand ich, dass dieser Mann in Wahrheit des Teufels war.


Mehr auf Zeit Online...

Deutschland braucht mehr Patriotismus

Zuweilen gleicht unser Patriotismus religiösem Fanatismus: Unsere Veranstaltungen sind so emotionsgeladen wie (gute) Gottesdienste, wir glauben an die Verfassung wie an die Bibel, und die Amtseinführung des Präsidenten steht der des Papstes in nichts nach.

All das brachte den Soziologen Robert Bellah 1967 dazu, die amerikanische Demokratie als eine "Zivilreligion" zu beschreiben. Er meinte, die Amerikaner hätten ihre tief verwurzelte Religiosität einfach auf ihr Land übertragen: Wir glauben tatsächlich an unsere Nation.

Es gibt einen Grund dafür. ...

Mehr auf Zeit Online...

Amerika hat den grössten Sozialstaat der Welt

"Für mich seid ihr Amis alle miteinander verrückt", beschloss ein guter Freund neulich im Biergarten. "Ihr habt keine Krankenkasse und kein Rentensystem und überhaupt keinen Sozialstaat – und nun wollt ihr auch noch Medicare und Medicaid abschaffen!" Er nahm noch einen Schluck und dachte kurz nach. "Moment mal", sagte er, etwas verwirrt: "Wie könnt ihr etwas abbauen, das ihr nicht habt?"

In Wahrheit hat Amerika – jedenfalls in absoluten Zahlen – den größten und teuersten Sozialstaat der Welt. Das wissen nicht einmal die meisten Amerikaner. Jedes Jahr gibt der Staat rund 2,2 Billionen Dollar für soziale Leistungen aus, von Social Security (Rente und Arbeitslosenversicherung) über subventionierte Krankenkassen bis hin zum Bildungssystem.

60 Prozent des US-Gesamthaushalts fließen in den Sozialstaat. Zum Vergleich: Das Militär bekommt läppische 24 Prozent. ...

Amerika hat den grössten Sozialstaat der Welt ... mehr auf Zeit Online!

Ist Angela Merkel in Wirklichkeit Paul Ryan?

Wer Angela Merkel mag, müsste die amerikanische Tea Party eigentlich lieben.

Nein, nicht weil Merkel so sexy-doof ist wie die politisch engagierten Tea-Party-Damen Sarah Palin und Michele Bachmann, sondern weil Merkels Europa-Politik erstaunlich dicht an den politischen Ideen des neuen Tea-Party-nahen Vizepräsidentenkandidaten Paul D. Ryan ist.

Als der Republikaner Mitt Romney den Kongressabgeordneten Ryan zu seinem Vize in spe ernannte, gab er damit der schon in der Versenkung verschwundenen Tea Party wieder eine Plattform und – sollte Romney die Wahl im November gewinnen – potenziell auch Zugang zum Weißen Haus. Denn keiner verkörpert die Vision der Tea Party besser als Ryan.

Davon ganz zu schweigen, dass er vermutlich intelligenter ist als Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Romney zusammen und sich auf jeden Fall in der Wirtschaft besser auskennt.

Mehr auf Zeit Online...

Warum ich Deutschland liebe

Lieber Leser,

tun Sie mir mal einen Gefallen? Sollten wir uns jemals begegnen und Sie fragen mich, wo ich herkomme, und ich sage, aus Hawaii natürlich, woher sonst, stellen Sie mir nicht diese eine Frage, die Ihnen auf der Zunge brennt: „Wie kann einer aus Hawaii nach Deutschland kommen?“

Als ich damals diese Entscheidung traf, dachte ich nie, ich würde mich in Deutschland dafür rechtfertigen müssen. Naiv wie ich war, stellte ich mir vor, die Deutschen hätten ein gesundes Selbstbewusstsein und würden es für selbstverständlich halten, dass jeder aus Hawaii nur so danach lechzt, in Deutschland leben zu dürfen. Doch seit fast 30 Jahren bekomme ich nun diese Frage zu hören und seit fast 30 Jahren suche ich eine geeignete Antwort.

Statt einer Antwort stelle ich Ihnen hier zwei Tage aus meinem Leben vor ...

Mehr in CultUrMag.

In den USA kann jeder Killer Präsident werden

Wir Amerikaner sagen: "Bei uns kann jeder Präsident werden." Damit unterscheiden wir uns ganz wesentlich von den Deutschen. Es ist nicht so, dass das auf Deutschland nicht zutrifft, im Gegenteil. Der Unterschied ist, dass kein Deutscher es zugeben mag.

Warum? Ich habe da so eine Theorie. Aber zuerst einmal: Stimmt der Spruch überhaupt für Amerika? Gibt es zum Beispiel Minderheiten, die noch nie US-Präsident geworden sind?

Weiter auf Zeit Online...

Hätten die Deutschen mit Hilfe der Juden den Krieg gewonnen?

In "Deutschland-Quiz" schrieb ich, dass die Nazis die Atombombe deshalb nicht erfunden hatten, weil sie nicht abstrakt denken konnten (und wollten), während die Juden das wohl taten, und zwar aus kulturellen Gründen... Die Recherche zur Essay "Hätten die Deutschen mit Hilfe der Juden den Krieg gewonnen?" hat alles geändert, was ich über Nazis und Juden dachte.

Jetzt erklärt ein neues Buch den Unterschied zwischen den Mentalitäten eingehender. Meiner Meinung nach können die Deutschen und alle anderen auch - ja, auch wir Amis - immer noch von der jüdischen Kultur und Mentalität eine Menge lernen.

Best quote: “The heart of the Talmudic view is that there is an absolute truth, but this truth is not directly and completely available to us. It turns out that exactly the same style of thinking occurs in the relativity theory and in some of Einstein’s other research.”

Hier die Kritik in New York Times.

Treffen sich zwei Missionare und die Polizei...

Nachtrag zu Zeit Online:

In der veröffentlichten Version gab es leider kein Platz für meine Lieblingsanekdote aus der Missionszeit. Also hier ist sie:


Am lustigsten wird es, wenn die Polizei eingeschaltet wird.

Einmal ging ich mit meinem Mitarbeiter in Dortmund von Tür zu Tür, als wir merkten, dass mehrere Polizisten aus drei Autos hüpften und in das Wohngebäude rannten, das wir gerade verlassen hatten. Wir waren vorgewarnt: am Abend zuvor war wieder eine Sendung ueber Sekten gelaufen.

Damit nicht noch mehr Chaos ausbrach, gingen wir zurück und stellten uns. Während die anderen herumstanden und versuchten, nicht lächerlich auszusehen, überprüfte der leitende Beamte unsere Ausweise und stellte fest, was wir tun, sei rechtens. So einfach konnte er natürlich nicht mit drei Streifenwagen wieder abziehen. Also durchsuchte er die Bibel und die Flugblätter in unseren Rucksäcken, bis er unser Klingel-Heft fand.

Darin notierten wir jede Wohnung, die wir schon besucht hatten, damit wir ni…

Endlich ein Präsident, der die Europäer kennt...

Spätestens seit letzter Woche muss jedem klar sein, dass Mitt Romney zur Außenpolitik etwa so tauglich zu sein scheint wie einst Sarah Palin. Kaum in London angekommen, trat er ins Fettnäpfchen: Er kritisierte die zahlreichen Pannen der Olympischen Spiele 2012 und wies darauf hin, dass damals, als er die Winterspiele in Salt Lake City mit organisierte, nicht so geschludert worden sei.

Sofort war die Hölle los: Selbst konservative Kommentatoren in Amerika jammerten, dass Romney unseren wichtigsten Verbündeten in Europa beleidigt hätte, ein internationaler Affront sei das, peinlich, peinlich.

Nur ich bin gar nicht so sicher, dass es ein Versehen war. Im Gegenteil. ...

Mehr auf Zeit Online...

Wir Amis schiessen einfach gern!

Wir Amerikaner lieben unsere Waffen, und daran sind die Europäer schuld.

Es fing vor mehr 250 Jahren an. Damals herrschte in Europa noch das mittelalterliche Prinzip: Nur der Adel darf Waffen tragen. Zwar leisteten sich schon manche Länder so etwas Neuartiges wie ein stehendes Heer, in dem auch ausgewählte Mitglieder des Pöbels im Umgang mit Waffen trainiert wurden. Dennoch blieben Waffen insgesamt Sache der Obrigkeit. ...

Mehr auf Zeit Online...

Nur ein rückgratloser Präsident ist ein guter Präsident

Ganz schön mutig, dieser Mitt Romney. In der vergangenen Woche stellte sich der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner vor die versammelte Schwarzenlobby (National Association for the Advancement of Colored People, NAACP). Bei deren Versammlung in Houston erklärte er, ohne mit der Wimper zu zucken, warum er für die Schwarzen der bessere Präsident sei als jener, der zurzeit im Weißen Haus sitzt.

Zwar wurde gebuht, aber hinterher, draußen vor den TV-Kameras, merkten einige Schwarze dann doch anerkennend an, wie tapfer der Mann war, überhaupt dort aufzutauchen.

Immerhin gehört Romney einer Kirche an, die erst in den Siebzigern Schwarze zur Priesterweihe zugelassen hat. Ich war auch Mormone damals – und ich weiß noch, wie mein Vater das einzige schwarze Mitglied unserer Gemeinde daraufhin zum Sonntagsbraten einlud. Es war ein Abend der politischen Korrektheit und des peinlichen Schweigens. Ich glaube, am Tisch wurden insgesamt drei Sätze gewechselt.

Die Wahrheit ist: Romney hatte ke…

Schwulen, Streit und die Amis

Wir Amis lieben Streit. Wir lieben den Kampf zwischen brutalen Gegnern, die vor nichts zurückschrecken, wir lieben die Spannung eines harten Tauziehens, das ewig hin und her geht. Wir lieben die Erfindung neuer Argumente, egal wie absurd und verzweifelt sie sein mögen. Wir lieben es, wenn es einen klaren Gewinner gibt, den wir bewundern können, und einen klaren Verlierer, über den wir uns lustig machen können.

Vor allem lieben wir große politische Streitfragen, die über Generationen hinweg ausgefochten werden. Deutschland ist dagegen eine idyllische Konsens- und Kompromissgesellschaft.

Wann immer möglich, entschließen sich die Deutschen einfach, einer Meinung zu sein. Fast alle Deutschen lieben Mülltrennung, den Sozialstaat und die militärische Nicht-Einmischung, und ob die Atomkraft vielleicht doch ein paar Pluspunkte hat, wird nicht diskutiert. Da herrscht Konsens, und Konsens untergräbt man nicht.

Ein gutes Beispiel ist die Homo-Ehe.

Mehr auf Zeit Online...

Neue Kolumne auf Zeit Online: Planet America

Da saß ich, eingequetscht auf einer Bank in einem kleinen Berliner Biergarten, umgeben von grölenden Deutschen in bizarrer Verkleidung: eingewickelt in die Deutschlandfahne, angemalt in den Deutschlandfarben, auf dem Kopf Stangen wie Insektenantennen, auf denen Deutschlandwimpel hin und her schwankten.

Auf einmal verschwand die deutsche Nationalelf vom Großbildschirm. Stattdessen sah ich Bilder von grölenden Amerikanern, in die US-Fahne eingewickelt, mit den US-Farben angemalt, auf den Köpfen bizarre Hüte mit US-Wimpeln.

Kurzzeitig verlor ich die Orientierung: "Hat Amerika gerade die Europameisterschaft gewonnen?" ...

Mehr auf Zeit Online hier...

DEUTSCHLAND UND AMERIKA: KANN MAN SO ODER SO SEHEN

Komisch – es ist möglich, Deutschland und Amerika aus zwei gegensätzlichen Blickwinkeln zu betrachten und in beiden Perspektiven ein bisschen Recht zu behalten.

Gestern wurde ich eingeladen, in der TV-Talkshow Hart aber Fair nebst 4 anderen teilzunehmen. Das Thema ging um um „Fussball und Nationalismus“ - die Grünen hatten die alte 68er-These wieder hervorgekramt, dass wer bei EM-Spielen Fahnen schwenkt Patriotismus beweist, Patriotismus sei eine Vorstufe zu Nationalismus und (auch wenn niemand es laut sagt) Nationalismus ist natürlich eine Vorstufe zum 4. Reich.

Das Thema ist heiß umstritten, und meine Aufgabe war es, den Blick von aussen zu bringen: Dass niemand ausser den Deutschen eine solche Diskussion ernst nehmen kann, dass die Deutschen immer den Teufel an die Wand malen und viel zu viel über alles nörgeln, und dass Europa heute zu Deutschland mit neuen Respekt schaut und erwartet, dass Deutschland seine neue Führungsrolle übernimmt, sich mit wichtigen Themen befasst und mit …

Kurz vs. Lang

Selbst in einer Krise bleiben Amerikaner amerikanisch und Deutsche deutsch.

Man braucht nur Obama und Merkel angucken und wie sie auf die Eurokrise reagieren.

Obama, wie auch die meisten wichtigen amerikanischen Wirtschaftsbeobachter, will, dass Merkel von ihrem harten Sparkurs zurücktritt und viel Geld in Griechenland und sämtliche andere marode nichtsnutzige europäische Länder pumpt. Sie glauben, damit werde die Wirtschaft wieder auf Trab kommen, und wahrscheinlich haben sie auch Recht: Wo Geld investiert wird, gibt’s mehr Jobs, es wird mehr eingekauft, alles kommt wieder in Gang.

Die Deutschen – zumindest Merkel – sehen das umgekehrt: Zu lange, sagen sie, haben diese Staaten unverantwortlich gelebt, mit einem zu großen Sozialstaat, keiner vernünftigen Steuerpolitik und übertrieben populistischen Politikern, die Unrealistisches versprechen und Unangenehmes vermeiden.

Durch den Sparkurs will Merkel dies ändern: Sie will diese Länder zwingen, langfristige Reformen durchzusetzen und …

Was ist "Stand Your Ground?"

Weil einige E-Mailer um eine Erklärung gebeten haben, hier die Hintergründe zum Fall Trayvon Martin:

Als George Zimmerman den unbewaffneten schwarzen Jungen Trayvon Martin in Florida erschoss und dafür nicht angeklagt wurde, stürzten sich die meisten Medien in Deutschland wie in Amerika auf das Thema „Rassismus in den USA“. Der Skandal schien klar: ein Weißer, der einen Schwarzen tötet, wird im rassistischem Amerika wohl nicht einmal mehr angeklagt!

Der junge Trayvon Martin war in dieser Nacht zu Fuß unterwegs, weil er in einem Laden etwas gekauft hatte und nun nach Hause ging. George Zimmerman war freiwilliges Mitglied der Nachbarschaftswache. Er sah Martin in der Dunkelheit, ahnte einen Kriminellen und folgte ihm. Es kam zu einer Konfrontation. Was dann geschah, kann nicht 100%ig rekonstruiert werden: Zimmerman, der hinterher wohl einige kleineren Schrammen hatte, behauptet, Martin hätte ihn angegriffen und er habe in Notwehr gehandelt; Zeugen behaupten, es war umgekehrt.

Zimmerm…